DRAUSSEN VOR DER TÜR

[out of the door                  fuera de la puerta]
appropriation-art by             wolf d. schreiber

Das Motiv der Fotoserie “Draussen vor der Tür” sind Objekte in Galerien, betrachtet von außen durchs Schaufenster. Ich bereise Städte und durchstreife die “Galerienviertel”; eine Reise zum Kunstwerk. Dieses wird mit der Kamera aus seiner Umgebung, dem Kunstraum, herausgerissen. Der Blickwinkel von der Straße ist oft nicht frontal, sondern beispielsweise ein seitlicher. Diese Ansicht vermischt sich je nach Lichtverhältnissen mit Straßenszenen in Form von Spiegelungen und Reflexionen; die Gestaltung der Hausfassade um das Schaufenster herum schafft einen neuen Rahmen für das Werk. Mit der Aufnahme beginnt die Reise des Abbildes des Kunstwerkes, die mit einer Ausstellung in einem anderen Kunstraum ihr Ziel erreicht; und gleichzeitig Motiv und Ausgang für eine erneute Appropriation oder Reise sein könnte.

Verschiedene Aspekte sind für mich interessant zu erforschen und Bestandteil dieser Arbeit. Zum einen geht es um Appropriationen; die abgebildeten Kunstwerke aus einem Blickwinkel darzustellen, für die sie nicht erschaffen wurden, der aber trotzdem Alltagsbestandteil ist. Viele Menschen werfen beim (zufälligen) Vorbeigehen nur einen flüchtigen Blick in das Schaufenster einer Galerie und betreten diese nicht. Diese Ansicht konserviere ich.

Gegenwärtig wird das Thema Copyright / Urheberrecht in allen Bereichen nicht nur der Kultur diskutiert. Meine Fotos, obwohl von der Straße aus fotografiert, fallen nicht unter die Panoramafreiheit. Also sind sie in gewisser Weise auch eine Form von Diebstahl und Piraterie. Eine Entführung aus dem Markt. Der Gesichtspunkt, die Bilder von Aussen zu betrachten, also den Marktplatz Galerie nicht zu betreten, selbst nicht am Markt teilzunehmen, kann als Kapitalismus- bzw. Kunstmarktkritik interpretiert werden.

Mit der Kamera eigne ich mir das fremde Werk an und setze es wie ein Sample in eine eigene Bildkomposition. Dieses Copy & Paste geschieht jedoch nicht auf digitalem Wege, also auch keine originalgetreue Kopie, sondern durch die Wahl des Aufnahmestadtortes und dem Blick durch das Schaufenster entsteht eine Verfremdung. Sie ist Sinnbild einer magischen Grenze zwischen öffentlichen und vermeintlich privatem Raum. Hier die Straße, auf der ich mich frei bewegen darf, dort die Galerie, die zwar als Geschäftsräumlichkeit im Rahmen ihrer Öffnungszeiten ebenso frei zugänglich ist, aber juristisch eine Privatsphäre darstellt. Das Gebäude an sich unterliegt der Panoramafreiheit, der Blick ins Innere oder auf die Schaufenstergestaltung ist ohne Genehmigung nicht gestattet fotografisch festzuhalten und zu verwerten.

Das Charakteristische der Appropriation Art ist es, fremde Werke in das eigene Werk zu integrieren, dieses erkennbar zu belassen und zu zitieren. Der Akt des Aneignens und das daraus resultierende Werk haben einen eigenständigen künstlerischen Charakter, sind also nicht einfach nur Plagiat oder Fälschung. Die Bewertung dessen kann je nach Sichtweise unterschiedlich ausfallen. Ähnlich vergleichbaren Phänomenen in der Musik, z.B. Sampling oder Covern, ist es ein Anliegen der Künstler, die Übernahme und Bearbeitung fremder Vorlagen als eigene Kunstform und Arbeitstechnik zu etablieren. Schmücke ich mich mit fremden Eigentum oder ist das fotografische Festhalten meines Blickes die dominierende Eigenschaft der Werkserie "Draussen vor der Tür"? Dies mag jeder für sich selbst beurteilen.

 

 

FRANKFURT/MAIN

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Maurer – Beautiful Illusion

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Voges – Alexander Tinei

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie wagner + marks – Inna Artemova

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Greulich – Casey McKee

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Rothamel – Nguyen Xua

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie mühlfeld + stohrer – Eberhard Bitter

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie wagner + marks – Fabian Seyd

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Eva Winkeler – Matthias Meyer

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Planet Vivid Gallery – Ronnie Zimmermann

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Maurer – Stillleben

 

 

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Leuenroth – Christian Brandl

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Greulich – Casey McKee

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Rothamel – Raissa Venables

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie La Brique – Krommer

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie mühlfeld + stohrer – Thomas Schriefers

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Hübner + Hübner – Thomas Böing

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie La Brique – Krommer

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Maurer – Stillleben

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Schwind – Wolfgang Peuker

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Rothamel – Bazon Brock / Moritz Götze

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie La Brique – Eduard Gorokhovski

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Maurer – Stillleben

 

 

Draussen vor der Tür

Appropriation: Frankfurt/Main – Galerie Rothamel – Petra Ottkowski

 

more -> Berlin, Cologne, Munich



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The motives of the photo series “Out of the door” are objects in galleries, regarded from the outside by the shop window. I go to different cities and roam across the “gallery quarters”; a journey to the artwork. This is pulled out with the camera from its environment, the art area. The point of view of the road is often not frontal, but for example laterally. This opinion mixes itself depending upon lighting conditions with road scenes in the form of reflections and reflections; the organization of the house front around the shop window creates a new framework for the work. With the admission begins the journey of the image of the work of art, which achieves its goal with an exhibition in another art area; and motive and exit for a renewed appropriation or journey to be simultaneous could.

Different aspects are for me interesting to explore . On the one hand appropriation art. One point is to represent the original artworks from a point of view for which they did not create, which is however nevertheless an everyday life component. Many humans throw when (randomly) passing only a volatile view into window of a gallery and don’t enter these. I conserve this view.

At present the topic copyright is discussed within all ranges of culture. My photos, although took up from the street, do not fall under freedom of panorama. Thus they are in certain way also a form of theft and piracy. A kidnapping from the market. The criterion to regard the pictures from the outside, not to enter the market place, not to participate in the market, can be interpreted as capitalism and/or art market criticism. Do I decorate with foreign property or is the photographic saving of my view the dominating characteristic of my work? This may judge everyone for itself.

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El tema de la serie „Fuera de la Puerta“ son objetos en galerías, contemplados a través de los escaparates. Yo viajo por diversas ciudades y paseo por los „barrios de las galerías“: es un viaje hacia la obra de arte. Una vez allí, la arranco de su entorno, de la sala de arte, con la cámara. La prespectiva desde la calle no siempre es frontal, sino, por ejemplo, lateral. Esta visión se mezcla, dependiendo de las condiciones de iluminación, con las escenas de la calle en forma de espejos y reflejos. La configuración de la fachada del edificio que rodea el escaparate crea un nuevo marco para el trabajo artístico. Con las fotos empieza el viaje de las ilustraciones de las obras de arte, que alcanza su meta con otra exposición en otro espacio artístico y, al mismo tiempo, puede ser tema y resultado de una nueva apropiación o viaje.

Además, diversos aspectos son para mí interesantes de investigar y son una parte constante en este trabajo. Por una parte existe una “Appropriation Art”. Inspirado en mi „modelo“ artístico, la fotógrafa estadounidense Louise Lawer, se trata de representar las obras de arte expuestas desde una prespectiva para la que no se han creado, pero que, sin embargo, es parte de la vida cotidiana. Muchas personas echan por casualidad un vistazo rápido a los escaparates de cualquier galería y no entran en ella.

Actualmente se discute el tema de los derechos de autor en todos los ámbitos, no sólo en el de la cultura. Mis fotos, aunque están realizadas desde la calle, no se circunscriben a la “libertad panorámica”. Así que son también, en cierto modo, una forma de robo y piratería. Un secuestro del mercado. El punto de vista, contemplar las imágenes del exterior, sin entrar en el mercado de arte que es galería, sin participar de ese mercado, puede ser interpretado como una crítica del capitalismo y del mercado artístico. ¿Me estoy arrogando la propiedad ajena o constituye mi visión, plasmada en la fotografía, la propiedad relevante de la obra? Esto lo puede juzgar cada uno por sí mismo.

 

CV WOLF D. SCHREIBER
GROUP EXHIBITIONS
2010 LyrikPark, Hildesheim
2010 Papergirl, Neurotitan, Berlin
2010 Kosmos Kiosk, Neuer Kunstverein Gießen
2010 Blick aus dem Fenster, Kunstforum Weilheim
2009 International Mail-Art 2009, SKETBE, Thessaloniki (Greece)
2009 Rauschhaus, Gießen
2009 Papergirl Albany, Albany (USA)
2009 kunstinbetrieb2, Halle/Saale
2009 The Museum of Temporary Art, Tübingen
2009 Papergirl, Alte Post Neukölln, Berlin
2008 fühlst du dich auch so uninspiriert wie ich, Kümmerei, Gießen
2008 Freilichtgalerie am Goldfischteich, Gießen
2008 Spur der Fragmente, Cafe Giramondi, Gießen
2007 Fragmente der Strategie, Sala aLFaRa, Oviedo (Spain)
2007 Strategie der Fragmente, Centro Municipal de Arte y Esposiciones, Avilés (Spain)
2007 Nordstadtkalender, Eigenart 2007, Gießen
2004 Vier Bibliotheken, kunstraum DOPPELZIMMER, Gießen
2002 Steine in Bäumen, Eigenart 2002, Gießen
1991 Nervengruen, Universitätsbibliothek, Gießen
1986 Diskurs, Institut f. Angew. Theaterwissenschaften, Gießen

DUO EXHIBITIONS
2003 Tuendra, Domizil, Gießen (mit Rahmenschweißer)
1991 Der Pfeil der Zeit, Volksbank, Wetzlar (mit Jo FRGMNT Grys)
1990 Polarisationen, Gießen / Lich / Neuwied/Rh. (mit Jo FRGMNT Grys)

SOLO EXHIBITIONS
2009 Amok Digitalis, Kulturkeller Domizil, Gießen
2008 Gießen hinter Gitter, Eigenart 2008, Gießen
2008 Schwarze Pixel, weiße Pixel, Kulturkeller Domizil, Gießen
2006 Bundesliga des Alphabets, Eigenart 2006, Gießen
2006 Atelier Schöne Zeiten, Gießen
2005 Fotoausstellung Transsylvanien, Kulturzeugen e.V., Gießen
1998 The Giessen CD-Collection, Music Attack, Gießen
1996 fake, Kulturkeller Domizil, Gießen

SCREENINGS
2010 elmur.net "Imaginarium", Galerie Wedding, Berlin
2010 VideoChannel Cologne One Minute Film Collection 2
2010 One Minute One Shot, Yerevan (Armenia)
2010 April Festival Belgrade (Serbia)

2010 Urban Research at Directors Lounge, Berlin
2010 Intervenciones TV 10, Vitoria-Gasteiz (Spain)
2010 Madrid Abierto (Spain)
2009 GIGUK Gießen VideoArt Festival
2009 one minute film & video festival Aarau (Switzerland)
2009 plattform:[no budget] #7 - Medienfestival Tübingen
2008 Optica Festival Gijón (Spain)
2007 Centro Municipal de Arte y Esposiciones, Avilés (Spain)
1991 Videofestival Bochum